Aktuelle Studien für den CFO

Die kommunikativ-koordinierende zentrale Führungskraft

Die aktuelle CFO-Meinungslage ist Gegenstand der folgenden Absätze. Die Publikation von CFO Studien – das Wort Umfrage scheint zutreffender – nimmt zu. Das kann Zeichen wachsenden strategischen Einflusses sein; zumindest scheinen die Budgets und das Interesse an der neuen Ausrichtung der Funktion zu wachsen. Im Ergebnis entsteht das Bild einer kommunikativ-koordinierenden zentralen Führungskraft:

  1. American Express: „Die USA sehen Chancen, Europa sieht die Risiken“
  2. Korn Ferry: „Das wichtigste für den CFO: Kommunikation“
  3. BARC Planning Survey: „Reifegrad und Buzzwords der Planung“
  4. KMPG und Bitkom: „Vertrauen in die Cloud wächst, Nutzung vereinheitlich sich“
  5. Information Inflation: „Investoren verlangen mehr KPIs und der CFO verantwortet den Narrativ“

 

American Express und IITLS befragen regelmäßig – hier 650 – Financial Executives aus Unternehmen mit mehr als 500 Mio USD Umsatz zur globalen Wirtschaftslage. Demnach ist die Zukunft rosig, mit 38% die rosaroteste Zahl einer Dekade. Voran schreiten die USA mit einem Sprung von 23% im Vorjahr auf 69% – wow. WOW. Folglich steigt die Investitionsbereitschaft, ganz oben steht der substantielle Ausbau analytischer Fähigkeiten. Die obersten Ziele sind Wettbewerbsfähigkeit und Kundennutzen, zu erreichen mit mehr Technologie und mehr Management-Fähigkeiten.  Die HR Wunschliste wird angeführt von der Anheuerung passenden Finance Talents. Die USA skalieren Chancen: Talent angeheuert, in neue Technologie investiert, Wettbewerbsfähigkeit und Kundennutzen gesichert. Europa antwortet skeptischer. Angeführt von einem düsteren UK Ausblick werden in Deutschland und in Frankreich die Risiken vor die Chancen globaler Herausforderungen – darf man Turbulenzen sagen – gestellt. Irgendwie ein typisches Bild.

 

Apropos Talent & Technologie. Korn Ferry hat im Mai die Ergebnisse der Befragung von 321 CFOs vorgestellt. Kommunikation dominiert die Liste, warum CFOs den Arbeitgeber wechseln, bzw. ausgewechselt werden. Mit Abstand häufigste Nennung ist die Beziehung zum CEO, während schlechte Zahlen im unteren einstelligen Bereich rangieren. Was zählt ist Kommunikation und Koordination. Unsere Hausdefinition von FP&A als „die Koordination der internen Kommunikation über die Unternehmenszukunft und deren Umsetzung“ wird zur CFO Königsdisziplin. Hauptgründe für die Ernennung zum CFO bleiben unverändert wirtschaftliche Erfahrung, Industrie-Expertise und operative Exzellenz. Bryan Procter, Senior Client Partner, stellt fest: the CFO spends „… disproportionate time … on compliance, at the expense of broader strategic topics.“ Das sitzt.

 

Das BARC, wir kommen nach Deutschland, hat 125 Unternehmen vom Best-in-Class zum Laggard klassifiziert und festgestellt: Best-in-Class plant integriert, mit Treibern, über Szenarien, in Selbstbedienung und natürlich prädiktiv. Kaum ein technisches Buzzword fehlt im Repertoire, weiche Faktoren in Planung und Budgetierung sind komplexer zu erheben und in Software abzubilden und daher wenig präsent bei dem führenden Analysten-Haus für Informations-Systeme in Unternehmen.  Vielleicht pant Best-in-class vor allem solide und hat wenig Zeit für Umfragen, was im Kern die Kritik an allen Studien darstellt. Unzweifelhaft zutreffend herausgearbeitet ist die Erkenntnis: der Reifegrad der Planung ist ein relevanter Indikator für die Planungs-Kompetenz und der Prozess ist dauerhaft angelegt durchzuführen und zu hinterfragen.

 

Der Cloud Monitor 2017 von KMPG und bitkom research hat 554 Unternehmen befragt. Eine Lücke öffnet sich seit 2015: 20% mehr an Cloud Befürwortern und ein Drittel weniger Cloud Gegner führt zu doppelt zu viel Befürwortern wie Ablehnern. Das verbleibende Viertel sieht die Cloud neutral. Die KMUs haben in der Nutzung aufgeholt und gleich der Unternehmensgröße beziehen etwa zwei Drittel Leistungen außerhalb des eigenen Rechenzentrums. Gründe sind die Verbreitung von Office365 und Security Angeboten. Die Public Cloud Nutzung hat sich mit knapp 30% fast verdoppelt. Eine deutliche Mehrheit, besonders bei Unternehmen über 2.000 Mitarbeitern vertraut in die Cloud. Wer also die Kompetenz der Bewertung hat, verliert die Angst – hervorragend für reine Cloud Anbieter wie uns.  Schwachpunkt ist, dass die bekannten Vorteile und Vorbehalte getrennt aufbereitet werden. Eine Liste der Nachteile für Public Cloud-Nutzer und gewünschter Funktionen der Skeptiker ist spannender.

 

Zum Abschluss ein interessanter Artikel von Ed Zwirn, der die 26.000 (!) Einsendungen zu einem SEC Konzeptionspapier gut zusammen fasst. Kern: 1. Investoren verlangen weiter mehr nicht finanzielle Kennzahlen und 2. nie wurden diese mit so viel Stories versorgt wie heute. Hintergund ist der Dodd-Frank Act und ein Urteil des US Supreme Court: „Information is material, if a serious investor is likely to think so.“ Storytelling und Narrative haben Konjunktur, da zwei Drittel des Wertes der US Unternehmen immaterieller Natur ist. Schwer fassbar sozusagen.  Die Kommunikation mit den Investoren gewinnt weiter an Bedeutung. Der CFO wird zum Storyteller, oder anders: zum Chief Future Officer. Der Auf- und Ausbau von FP&A in den USA ist eine Antwort auf diese Entwicklung.

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