„Führung über Kennzahlen“, Interview mit Prof. Dr. Molthagen-Schnöring

Mit unserem Beirat Prof. Dr. Stefanie Molthagen-Schnöring, Prodekanin des Fachbereichs Informatik, Kommunikation und Wirtschaft der HTW Berlin haben wir über Führung und Controlling gesprochen. Fazit: gute Führung ist besonders im Controlling Voraussetzung für effektive Prozesse und eine adäquate Systemauswahl.

Q: Im Englischen wird unterschieden zwischen dem Führen von Menschen (to lead) und dem Managen von Prozessen (to manage). Wo lässt sich da das Führen mit Kennzahlen einordnen?

A: Es sollte Aspekte von beidem beinhalten bzw. stellt eine Symbiose dar: Um Prozesse erfolgreich zu managen, müssen Menschen einbezogen werden, denn die Prozesse funktionieren (größtenteils) nicht ohne Menschen. Das machen sich viele Führungskräfte nicht klar, die denken, man könnte die Bereiche sauber voneinander trennen.

Q: Prozesse werden heute immer komplexer – liegt die Lösung in einer noch stärkeren Technisierung/Automatisierung?

A: Technische Systeme sind immer Hilfsmittel, die erlauben, einen komplexen Prozess besser zu strukturieren. Die eigentliche Herausforderung ist aber, ein inhaltliches Verständnis für diesen Prozess zu gewinnen, sich also zu fragen, was er für das Gesamtsystem leistet. Bezogen auf Kennzahlen heißt das: Müssen wir immer mehr Kennzahlen erheben oder nicht besser anfangen, deren Bedeutung für übergeordnete Ziele wie den Geschäftserfolg zu verstehen?

Q: Der Gedanke der Komplexität erinnert uns ja auch an das komplexe System Mensch – Wie motiviere ich denn meine Mitarbeiter, kennzahlenorientiert zu arbeiten?

A: Studien zeigen, dass wir es heute vermehrt mit Mitarbeitern zu tun haben, die die „Warum“-Frage stellen. Also eher fragen, warum sie Tätigkeiten verrichten sollen, als nach dem konkreten Was oder Wie zu fragen. Und auch aus diesem Grund sollte man sich bewusst machen, worin der Wert einzelner Kennzahlen liegt.

Q: Können technische Systeme das abbilden?

A: Controlling-Systeme können so intuitiv aufgebaut sein, dass sich Zusammenhänge erschließen. Darüber hinaus heißt es: „management by communication“. Führungskräfte sind also gefordert, Sinn und Zweck dieser Systeme zu erklären. Dies setzt voraus, dass sie sie selbst verstehen;-)

Q: Wenn ich ein neues System implementieren will, was muss ich beachten?

A: Hier gelten die Maßstäbe jeder erfolgreichen Veränderungskommunikation: rechtzeitig informieren und erklären und Betroffene zu Beteiligten machen. Diejenigen, die umsetzen, sollten das System vorab testen und sich einen persönlichen Eindruck verschaffen können. Sie sind meistens die Fachleute, die vielleicht nicht den Gesamtüberblick haben, aber ein detailliertes Fachwissen, über das Führungskräfte nicht mehr verfügen können. Wenn sie ein System und dessen Nutzen für ihre Arbeit verstehen, steht einer erfolgreichen Implementierung eigentlich nichts mehr im Weg.

Wir danken Frau Prof. Dr. Molthagen Schnöring für das Gespräch.

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